Gemeinsame Fachgruppensitzung von Technik mit Kultur und Medien

Dr. Florian Meißner (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf): Media reporting of industrial disasters in Japan

Japanese media has developed sophisticated techniques of disaster reporting (saigai hōdō) that aim at contributing to mitigation efforts (Meissner 2018). However, while the media routinely and effectively covers the informational needs of those victimized by, for instance, earthquakes or heavy rainfalls, reporting of industrial disasters resulting from technological mismanagement has often failed to cover these needs and provide adequate risk communication.

The speaker reflected on the causes based on a literature review as well as his own data, by particularly focusing on industrial disasters resulting from technological mismanagement. The presentation refered to three cases that can be considered pivotal for Japanese media reporting: 1) the lead-poisoning scandal in Kumamoto prefecture in the 1950s and 60s that caused the infamous Minamata disease; 2) the problem of dioxin pollution, which was much debated in the 1980s; and 3) the Fukushima Nuclear Disaster in 2011. He then discussed various factors that hamper risk communication by media organizations in Japan and introduce new journalistic initiatives, which show that it is possible to bypass these challenges.

Dr. Michaela Oberwinkler (Eberhard Karls Universität Tübingen): Die Rolle von Stickern in der japanischen digitalen Kommunikation

Seit der Einführung von Stickern (sutanpu) durch den in Japan weit verbreiteten Messenger LINE im Jahre 2011 nehmen Sticker in der japanischen digitalen Kommunikation eine immer wichtigere Rolle ein. Sticker unterscheiden sich von anderen Graphicons wie Emoticons oder Emojis durch ihre Größe, ihre Vielseitigkeit und durch die Tatsache, dass sie wie Bilder einzeln verschickt werden müssen und nicht in eine Textnachricht integriert werden können. Da für die Darstellungen auf den Stickern mehr Platz als bei den anderen Graphicons zur Verfügung steht, können die Bilder mit wesentlich mehr Details gestaltet werden. Dazu gehören beispielsweise in das Bild eingebundene Textelemente.

Für eine genauere Untersuchung der Sticker wurde ein kleines Korpus bestehend aus 505 Screenshots von alltäglicher LINE-Kommunikation von 140 Studierenden aus Kyoto erstellt. Auf den Screenshots sind 764 Sticker abgebildet, die in ihrem jeweiligen Kontext soziolinguistisch analysiert wurden. Die Ergebnisse zeigen gender-spezifische Unterschiede nicht nur in der Wahl der Bilder, sondern auch bezüglich der Funktionen, zu welchem Zweck und in welcher Situation Sticker gewählt werden.

Markus Hoffmann B.A. (Universität Wien): Hensachi als Technologie zur Bewertung von Universitäten – Diskussion einer explorativen Fallstudie unter Studierenden in Japan

In letzter Zeit haben sich sowohl die Meldungen über Änderungen in der Hochschulfinanzierung als auch über Manipulationen bei den Aufnahmeprüfungen in Japan gehäuft. Als ein Grund wird die geringe Anzahl von Universitäten in Japan genannt, die auf „Weltklasse-Level“ gebracht werden sollen u.a. mit dem Ziel, bei globalen Universitätsrankings besser abzuschneiden. Daneben versuchen scheinbar mehr Hochschulen ihren Anteil an internationalen Studierenden und Fakultätsmitgliedern zu erhöhen. Gleichzeitig existieren in Japan gefestigte Hierarchien zwischen den Universitäten, die sich nicht an den Indikatoren für globale Rankings orientieren (z.B. Publikationsquote), sondern sich durch den Schwierigkeitsgrad der Aufnahmeprüfungen manifestieren.

Derartige Rankings scheinen für die meisten angehenden Studierenden von Relevanz zu sein. Daraus resultiert die Frage, wie nehmen angehende Studierende diese Art des Universitätsrankings wahr bei ihrer Universitätswahl? Im vorgestellten Masterprojekt wurden fünf japanische Studierende zu ihren Erfahrungen an Universitäten interviewt. Dazu verwendete der Vortragende die Actor-Network-Theory als konzeptuelle Landkarte, um herauszufinden, wie relevant diese Schwierigkeitsrankings (hensachi) in der Praxis für Studierende sind. Dabei ging er ebenso darauf ein, welche Rolle hensachi als Technologie dabei spielen. Hensachi stellt das gängige technische Tool dar, Universitäten auszuwählen und zu bewerten. Es findet beispielsweise in Schulen, Nachhilfeschulen (juku) und der Arbeitsvermittlung Einsatz.